Das neue EFQM Modell wurde vor einem Monat in Helsinki präsentiert und lädt die Anwender*innen zu spannenden Diskussionen ein: Was hat sich im Modell 2020 verändert? Wo liegen die neuen Schwerpunkte, und was bedeutet das für die Praxis? Als Teil des Entwicklerteams der neuen Version des Modells, möchte ich „tiefergehende Insights“ nicht vorenthalten.

Vom Ego- zum Ecosystem

Einen guten Überblick verschafft Ihnen Nicole Mayer vom Team Unternehmensqualität der Quality Austria in einer zweiteiligen Serie am Excellence-Blog. Mit den Artikeln „Fokus auf die Zukunft“ und „Konzept und Aufbau“ finden Sie eine stimmige Gesamtschau zum neuen Modell 2020.

Ich möchte in diesem Zusammenhang zwei Themen im Detail herausgreifen, in denen es größere Änderungen im EFQM-Modell gibt: im Führungsbereich sowie beim relevanten Kontext.

Der neue Führungsstil – weniger Hierarchie, mehr Kooperation

Im „alten“ Modell 2013 – die Langzeittäter*innen werden sich erinnern – gab es im ersten Kriterium den klaren Fokus auf die Gruppe der Führungskräfte, die unter anderem die Zukunft der Organisation gestalten, Vorbild sind und Veränderungen effektiv managen.

Im aktuellen Modell 2020 bezieht das Thema Führung klar alle Mitarbeitenden ein: Das klassische Vorgeben einer Richtung durch Einzelpersonen oder ein Managementteam „von oben“ wird durch die Einladung abgelöst, dass es mehr um die Tätigkeit des Führens geht – und weniger um die Rolle. Jede und Jeder kann damit auf seiner Ebene bzw. in seinem Bereich in Führung gehen und inspirieren, stärken, verändern und damit entwickeln.

Für die Praxis bedeutet das eine kollektive Fähigkeit zur Führung zu etablieren. Nicht nur Einzelne, sondern die gesamte Organisation bzw. das System trägt hierzu bei.

Vom Kontext zum Ecosystem – Vorbild für eine nachhaltige Zukunft sein

Mit dem neuen Modell kommen unweigerlich neue Begriffe. Ein kurzer Sprachkurs erleichtert uns das Verständnis: Verglichen mit einem eher passiven Verständnis zum Kontext einer Organisation bringt der neu eingeführte Terminus „Ecosystem“ erhöhte Ansprüche.

Neben der Identifikation des Kontextes, der die Arbeitsweise der Organisation beeinflusst geht es im Modell 2020 speziell darum, hier die gegenseitigen Abhängigkeiten zu vertiefen.

 

 

© qualityaustria

 

Es ergibt sich damit eine verstärkte Dynamik mit erhöhtem Steuerungsbedarf um im System die ökonomische, soziale und ökologische Leistungsfähigkeit zu sichern.

Bildlich gesprochen öffnet sich auch in diesem Punkt der Betrachtungshorizont aus Sicht der Organisation: neben dem internen, auf das Unternehmen bezogene Micromanagement wird das regionale bzw. globale Wohlergehen durch verstärktes Makromanagement berücksichtigt (z.B. durch übergreifende Aktivitäten im Bereich der Kreislaufwirtschaft). Angesichts der ökologischen Herausforderungen erscheint die Erweiterung der unternehmerischen Verantwortung in Richtung eines größeren, gesellschaftlichen Ganzen als wichtiger Beitrag.

Haben Sie noch Fragen oder brauchen Sie vielleicht Unterstützung in der Transformation vom „Ego- zum Ecosystem“ Ihrer Organisation? Als FACT Consulting nutzen wir seit langer Zeit die Idee des EFQM-Modells als Werterahmen für unsere Arbeit, gestalten dieses aktiv mit und begleiten auch Unternehmen in diesem Kontext. Kontaktieren Sie uns gerne.

Weiterführende Links:

Quellen:

  • Scharmer Otto, Käufer Katrin (2014): Von der Zukunft her Führen